Die Ungewissheit meistern

Viele Frauen sind seit Monaten belastet durch die Isolation im Homeoffice, ständige Videokonferenzen und Lücken in der Kinderbetreuung. Dazu kommen Sorgen um die Gesundheit und die wirtschaftliche Existenz. Wie meistern wir diese täglichen Herausforderungen? Neue Forschungen belegen, dass schon kleine Impulse reichen, um die eigene Gedankenwelt positiv zu verändern. Carmen Reuter (Foto), Coach und Speakerin, hat sie uns erklärt.

Der Workshop mit Carmen Reuter unter dem Titel „Die Ungewissheit meistern“ fand als überregionaler virtueller Themenabend statt. „Zurzeit leben wir alle auf einem hohen Angst-Niveau“, stellt Carmen Reuter zu Beginn fest. “Die Frage ist aber, wie wir mit diesem Stress umgehen, das kann einen großen Unterschied für unser Befinden machen.“ 

Achtsamer Umgang mit den eigenen Gedanken

Unsere Gedanken, z. B. wie wir eine Sache oder eine bestimmte Situation bewerten, bestimmen die Reaktionen unseres Körpers. Dazu ein Beispiel: Bei einer Studie wurde Probanden ein Milch-Shake angeboten. Der einen Hälfte der Teilnehmer wurde der Shake als kalorien- und nährstoffreich beschrieben, der anderen als Diät-Drink. Welche Gruppe fühlte sich schneller gesättigt? Die Gruppe, der man den Drink als gehaltvoll verkauft hatte. Wenn die Gedanken schon beim Verzehr eines schlichten Milch-Shakes so einen großen Unterschied machen, wie sieht Ihre Wirkung dann erst bei Stress aus?

„Es geht darum, die eigenen Gedanken achtsam zu beobachten,“ erklärt Carmen Reuter. „Was denke ich, wenn ich Stress in meinem Leben wahrnehme?“ Dazu hatte sie für die Teilnehmerinnen eine Übung vorbereitet, die jede für sich vor ihrem Laptop machen konnte. Eine der Fragen in der Übung lautete: Was sagst du in stressigen Situationen zu dir selbst? Ein weit verbreitetes „Stress-Mantra“ ist zum Beispiel das hier: „Du musst dich einfach mehr anstrengen!“ Nächste Frage: Wie fühlst du dich, wenn du so über Stress denkst?

Die Lösung ist eine andere Definition von Stress. Carmen Reuter: „Stress ist das, was entsteht, wenn etwas, das uns wichtig ist, auf dem Spiel steht.“ Wenn wir in Stress-Situationen den jeweils positiven Beweggrund entdecken, der hinter der Anspannung steckt, können wir den Stress in positive Energie verwandeln.

Eine Änderung der Körperhaltung wirkt auf die Psyche

Wie umgekehrt der Körper auf die Gedanken einwirken kann, zeigte Carmen Reuter mit einer zweiten Übung zur Frage: Was finde ich gerade schwierig in meinem Leben? Die Teilnehmerinnen sollten nun ihr Brustbein einsinken und die Schultern nach vorne hängen lassen. Dann sollten sie an ihre schwierige Aufgabe bzw. die schwierige Situation denken und für sich auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten wie schwierig sie sie genau finden. Anschließend forderte Carmen Reuter sie zu einem Haltungswechsel auf: Brustbein heben, Schultern zurück, Hände in die Seite stemmen - und wieder auf der Skala bewerten wie schwierig das Problem ist. In der aufrechten Haltung nahmen alle Teilnehmerinnen ihre jeweilige Herausforderung als leichter zu bewältigen wahr. Stress ist also auch buchstäblich eine Frage der Haltung!

Sich mit anderen zu verbinden macht widerstandsfähig 

Zum Abschluss hatte Carmen Reuter noch einen weiteren Tipp: “Sich mit anderen zu verbinden und auszutauschen, beugt Erschöpfung vor und schafft Resilienz. Frauen können das besonders gut, das zeigt sich auch immer wieder hier beim B.F.B.M.“

Nach dem Input der Referentin und den Übungen gab es - typisch B.F.B.M. - die Gelegenheit, sich in kleinen virtuellen Gruppen zu zwei oder zu dritt über die eigenen Erfahrungen mit Stress und Ungewissheit auszutauschen.

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