Veränderung - mit einem Bleistift

Was ist es, das Menschen dazu bringt, Veränderungen, die sie sich wünschen, auch tatsächlich umzusetzen? Kann man das lernen? Coach und B.F.B.M.-Bundesvorsitzende Carmen Reuter hat sich seit vielen Jahren mit diesen Fragen beschäftigt. Ihre Antworten hat sie in ihrem Vortrag "Die Welt verändern - mit einem Bleistift" mit den B.F.B.M.-Frauen in Karlsruhe geteilt.

„In den vielen Jahren, in denen ich als Coach mit Menschen zusammenarbeite, hatte ich immer wieder Klienten, die Träume und Ziele hatten und sich wirklich dafür engagierten. Und die dann - in meinen Augen - nur winzige Schritte vorankamen“, erzählt Carmen Reuter. „Ich habe mich immer wieder gefragt, woran das liegt.“

Besseres Selbst-Management

Bei ihrer Suche nach Möglichkeiten, diese Menschen besser unterstützen zu können, stieß sie auf die Persönlichkeits-System-Interaktionen-Theorie (PSI) von Julius Kuhl. „Die erklärt nicht nur, warum es bei einigen Menschen weniger flutscht als bei anderen, sondern auch wie wir alle lernen können, uns auf bessere Art und Weise selbst zu managen“, freut sich Carmen Reuter über ihre Entdeckung.

PSI beschreibt vier Funktionssysteme in unserer Psyche, die wir nutzen, um unser Leben zu bewältigen. Das erste System ist unser Verstand. Von der Evolution ersonnen, um Probleme zu lösen und Pläne zu entwerfen. Der zweite Bereich ist die so genannte Objekt-Erkennung -oder einprägsamer formuliert - unser Fehler-Zoom. „Der wurde von der Evolution ersonnen, um die zwei verschimmelten Himbeeren im gerade gepflückten Korb auf einen Blick ausmachen zu können“, scherzt Carmen Reuter. Der Verstand und der Fehler-Zoom werden von einer nüchternen bzw. sogar einer negativen Stimmung angetrieben. Ganz anders die übrigen beiden Funktionssysteme: Die „Intuitive Verhaltenssteuerung“ und das „Selbst“ werden durch positive Affekte in Gang gesetzt.

Positive Affekte stoßen Handlungen an

Was hat jetzt diese Theorie mit der Umsetzung von Veränderung zu tun? Carmen Reuter: „Es wird klarer, wenn wir diese Funktionssysteme als Berufe betrachten. Der Verstand ist unser Planer, der Fehler-Zoom der Controller. Das Selbst können wir als den inneren Ratgeber bezeichnen und die Intuitive Verhaltenssteuerung als den spontanen Macher.“
Das bedeutet: 

Menschen, die häufig in einer nüchternen oder vielleicht sogar negativen Affektlage sind, sind automatisch häufiger als Planer oder Controller unterwegs. Sie kommen nur selten in diejenigen Funktionssysteme, die zum aktiven Handeln führen. 

Bei der Theorie von Kuhl geht es jedoch nicht darum, dass eines der Systeme grundsätzlich besser ist oder häufiger genutzt werden sollte. Wir profitieren aber sehr davon, wenn wir bewusst das System ansteuern können, das in einer konkreten Situation am besten antwortet. Wenn ich eine teure Anschaffung machen will, hilft der Fehlerzoom die Haken im Vertrag zu finden. Oder die Weisheit des inneren Ratgebers, die bei lebensverändernden Entscheidungen hilfreich ist.

Die Körperhaltung steuert die Stimmung

„Um Veränderungen tatsächlich umsetzen zu können, müssen wir uns also unbedingt immer wieder in einen positiven emotionalen Zustand bringen“, stellt Carmen Reuter fest. Wie lässt sich das auch an einem schlechten Tag schaffen? Ihr überraschender Ratschlag: „Ganz einfach: Klemmen Sie sich einen Bleistift zwischen die Zähne!“ Durch das Halten des Bleistifts mit den Zähnen werden die Lachmuskeln aktiviert. Für unser Gehirn ist es völlig egal, ob wir tatsächlich lachen oder ob wir eine komische Grimasse ziehen oder eben den Bleistift zwischen den Zähnen halten. Forschungsergebnisse belegen, dass sich allein durch die Haltung der Hormonspiegel im Körper zum Positiven verändert. Fazit von Carmen Reuter: „Wenn es also irgendetwas in Ihrem Leben gibt, das Sie endlich wahrhaft ändern möchten, dann beginnen Sie mit dem Bleistift zwischen den Zähnen!“

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