Spannungen im Team auflösen

Die eine führt, der andere wird geführt. Daraus entsteht im Berufsalltag häufig ein Spannungsfeld: Es gibt unterschiedliche Interessen, Ärger, Probleme, Sand im Getriebe oder gar anhaltende Konflikte. Es entstehen scheinbar schwer lösbare Situationen. Wenn man die verschiedenen Stimmen in einem Konflikt jedoch bestimmten Rollen zuordnet, ergibt sich ein klarer Blick auf die dynamischen Prozesse im Team.

Im B.F.B.M.-Online-Workshop „Spannungsfelder im beruflichen Alltag: Nichts wie weg!?“ zeigte Prozessbegleiterin Eva Frank zusammen mit ihrer Kollegin Karin Bernet Lösungsansätze aus der „Prozessorientierten Psychologie“ nach Arnold Mindell für Konflikte im Team. Voraussetzung dafür ist ein Verständnis für die unterschiedlichen Rollen im Team. Nach einem Modell von Arnold Mindell (Prozessorientierte Psychologie) sind das diese, gekennzeichnet jeweils mit einer typischen Aussage:

  • Führende: „Ich bestimme, wo es langgeht!“
  • Folgende: „Ich lasse mich führen und folge.“
  • Rebellierende: „Das sehe ich ganz anders!“

Nach dem Modell von Arnold Mindell sind Rollen menschliche Eigenschaften, die wir alle in uns tragen und zwar unabhängig davon, ob wir Chef*in oder Mitarbeiter*in sind. „Die Rollenverteilung ist nicht statisch, sie springt je nach Situation zwischen allen Beteiligten hin und her“, erklärt Eva Frank. „Eine Person ist größer und umfassender als eine Rolle. Wer in einer Situation zum Beispiel Folgende ist, kann sich im nächsten Moment zur Rebellierenden wandeln. Und auch der oder die Führende schlüpft immer wieder mal in eine andere Rolle“.

Jede Rolle hat ihr eigenes Potenzial 

Was aber sind die Funktionen der einzelnen Rollen? Was ist das Potenzial dahinter? Um das herauszufinden, gab die Referentin nach dem ersten Input den Teilnehmerinnen Raum zur Selbstreflexion: Wo stehe ich gerade in meinem Team? Was ist meine bevorzugte Rolle? Was verbinde ich mit dieser Rolle und wie fühlt sie sich an?

Besonders interessant war für die Teilnehmerinnen die Rolle der Rebellierenden. Dazu entwickelte sich sofort eine lebhafte Diskussion mit vielen Fallbeispielen. Rebellierende scheinen ständig ein Schild mit sich zu tragen, auf dem steht „Ich bin dagegen!“ - und damit haben sie immer die volle Aufmerksamkeit des gesamten Teams. Außerdem haben sie das „Privileg“, dass sie keine Verantwortung tragen, nichts umsetzen müssen und sich auch nicht an Erfolgen messen lassen müssen. Sind Rebellierende also einfach nur nervtötende Störenfriede? Mitnichten! In der Diskussion entdeckten die Teilnehmerinnen auch ganz konstruktive Anteile in dieser Rolle. „Rebellen sorgen dafür, dass sich alle in einem Team oder einer Gruppe klar positionieren müssen“, berichtete zum Beispiel eine Teilnehmerin aus ihrer Erfahrung. Das heißt, wenn eine Kollegin absolut gegen ein bestimmtes neues Projekt ist, müssen sich die anderen noch einmal genauer fragen, was sie selbst eigentlich genau davon halten. Und natürlich sorgen „Rebellen“ auch für einen Perspektivwechsel und für Innovation.

Zu konstruktiver Arbeit kommen

Eva Frank„Wie bringe ich ein rebellierendes Teammitglied, das immer gegen alles ist, dazu, einen konstruktiven Beitrag zu leisten?“, fragte eine Unternehmerin. Der Tipp von Eva Frank (im Foto rechts): Die Führungskraft sollte sich bemühen, die dahinterstehende Motivation zu verstehen. Das geht mit der Frage „Wofür möchtest du/möchten Sie gehört werden?“ bzw. „Wofür ist es wichtig, dass Du/Sie gehörst wirst/werden?“ Ursachen für das rebellische Verhalten können zum Beispiel eine Unzufriedenheit mit der Aufgabenverteilung sein oder ein Mangel an Anerkennung. Ist das eigentliche Motiv entlarvt, wird auch eine sachliche Diskussion wieder möglich.

„Keine Rolle ist per se gut oder schlecht, alle Rollen haben ihre Berechtigung und leisten einen sinnvollen Beitrag zum Erfolg des Teams.“, betont Eva Frank zum Schluss. Spannungsfelder im beruflichen Alltag sind also etwas positives!

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