Scheinselbstständig? Vielleicht ...

Scheinselbstständigkeit: Was ist das und betrifft mich das auch? Zu diesem Thema lieferte jetzt Elisabeth Busch-Boeing, B.F.B.M.-Mitgliedsfrau und Fachanwältin für Steuerrecht bei einer Veranstaltung des B.F.B.M. in Aachen umfassende und praxisnahe Aufklärung.

„Entgegen der landläufigen Meinung ist Scheinselbstständigkeit - wenn sie bei einer Betriebsprüfung festgestellt wird - weniger ein Problem für den Auftragnehmer, sondern eher für den Auftraggeber. Der muss am Ende bezahlen“, räumt Elisabeth Busch-Boeing gleich zu Anfang mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf. Um Scheinselbstständigkeit handelt es sich, wenn Freiberufler oder Gewerbetreibende, eine persönliche Arbeitsleistung erbringen, die nach dem deutschen Sozialgesetzbuch tatsächlich eine abhängige und damit sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist. Wird das bei einer Prüfung durch die Rentenversicherung entdeckt, müssen die Beiträge, die der Sozialversicherung entgangen sind, für bis zu 4 Jahren nachgezahlt werden, und zwar komplett vom Auftraggeber.

Entscheidend ist, ob Auftragnehmer in die betrieblichen Abläufe eingebunden sind

„Viele Unternehmen, setzen Selbstständige, die sie beschäftigen, unter Druck, sich weitere Aufträge zur Ergänzung zu suchen, um damit den Status der Scheinselbstständigkeit zu vermeiden. Das hilft aber nicht unbedingt, denn allein die Tatsache, dass ein Auftragenehmer mehrere Kunden hat, noch kein Freispruch in Sachen Scheinselbstständigkeit“, erklärt Elisabeth Busch-Boeing. Entscheidend sind andere Kriterien: Als scheinselbstständig gilt, 

  • wer in betriebliche Abläufe eingegliedert ist wie Festangestellte, 
  • seine Aufgaben nach Weisung und zu vorgegebenen Zeiten erledigt und 
  • evtl. auch direkt im Betrieb des Auftraggebers arbeitet. 

„Wenn diese Kriterien zutreffen, kann eine Auftragnehmerin bei der betreffenden Tätigkeit als scheinselbstständig gelten, ganz gleich wie viele andere Aufträge sie noch hat“, bringt es Elisabeth Busch-Boeing auf den Punkt. Umgekehrt kann, wer selbstbestimmt und auf eigenes Risiko arbeitet, auch mit nur einem Auftraggeber als regulär selbstständig gelten.

So sichern Sie sich ab

Was können Einzelselbstständige, aber vor allem auch ihre Auftraggeber also tun, um nicht in die Falle Scheinselbstständigkeit zu tappen? Die Expertin rät: „Gestalten Sie die Arbeitsabläufe so, dass die Auftragnehmer zeitlich und örtlich unabhängig bleiben und auch inhaltlich möglichst frei gestalten können.“ Es empfiehlt sich, diese Vereinbarungen in einem schriftlichen Vertrag festzuhalten, aus dem die Kriterien für eine freibestimmte Tätigkeit klar erkennbar sind. Absichern kann man sich auch über ein so genanntes Statusfeststellungsverfahren, das man bei der Rentenversicherung oder der Krankenkasse beantragen kann. Tipp von Elisabeth Busch-Boeing: „Sie müssen dazu nicht das vorgegebene Formular nutzen. Sie können Ihren Fall auch frei formuliert darstellen. Dann steigen die Chancen, dass auch die Beurteilung Ihrem individuellen Fall  gerecht wird.“

Kommentare
Name:
E-Mail:
Website:
Kommentar:

Kontakt

B.F.B.M. - Bundesverband der Frau in Business und Management e.V.

(im Hause SMC)
Gropiusstr. 7
48163 Münster

Telefon 02501/594 060 401