Gesprächsrunde mit Ermutigungsfaktor

Was ist der Unterschied zwischen Lob und Ermutigung? "Lob bezieht sich immer auf etwas Vergangenes, Ermutigung hingegen auf die Zukunft.", erklärt Titia Lenzhölzer-Maas, Coach und Moderatorin des ersten Präsenztreffens der Kölner B.F.B.M.-Gruppe seit dem Corona-Ausbruch. Titel der Veranstaltung: "Mut tut gut!"

Lob ist eine Bewertung, Ermutigung bringt Menschen hingegen ins Handeln, auch dann wenn etwas auf den ersten Anlauf noch nicht geklappt hat. Wie kann Ermutigung in der Praxis aussehen? Zum Beispiel die Ermutigung von Mitarbeitern, die zurzeit stark belastet sind? Darüber entstand anhand des Fallbeispiels einer Teilnehmerin eine interessante Diskussion. Ein energisches „Sie schaffen das schon!“ ist da eher fehl am Platz. Titia Lenzhölzer-Maas: „Ermutigung kann aber auch indirekt geschehen, durch Unterstützung, Zeit für Gespräche - und Humor!“

Jeder Beitrag spricht für sich

Wie zum Beispiel eine bestimmte Art der Gesprächsführung an sich schon ermutigend wirkt, haben die Teilnehmerinnen direkt mit dem „Züntersbacher Modell“ ausprobiert. Und das geht so: Zunächst wird eine einfache Frage wie „Was beschäftigt mich gerade?“ gestellt und für alle sichtbar notiert. Dann kann jede im Kreis zu dieser Frage sagen, was ihr in den Sinn kommt. Dabei gelten folgende Regeln: Jede Teilnehmerin kann ausreden, Unterbrechungen oder auch Nachfragen sind nicht erlaubt. Hat eine Teilnehmerin geendet, kann eine andere beginnen ohne einen inhaltlichen Bezug zum vorigen Beitrag herstellen zu müssen. In großer Ruhe haben die Teilnehmerinnen dann ganz unterschiedliche Themen in den Raum gestellt. Sie haben von Erfahrungen und Erkenntnissen der letzten Wochen berichtet, aber auch ganz banale und manchmal lustige Dinge erzählt, die gerade ihre Aufmerksamkeit fordern. Nach diesem Experiment waren sich alle einig, dass es zwar einerseits schwer ist, nicht in den Dialog zu gehen und keine Fragen zu stellen, andererseits aber sehr befreiend, selbst spontan erzählen zu können - egal ob das zu den anderen Beiträgen passt oder nicht.

Zum Abschluss hat die Moderatorin ein Gedicht von Theo Schoenaker zitiert, das die Stimmung des Abends gut wiedergibt:

Ich bin ein Mensch, und das ist gut so.
Ich bin ein Mensch und unvollkommen, und das ist gut so.
Ich bin ein Mensch und unvollkommen,
und deswegen mache ich Fehler, und das ist gut so.
Ich bin ein Mensch und unvollkommen,
und deswegen kann ich nicht alles wissen, und das ist gut so.
Ich bin ein Mensch und unvollkommen,
und deswegen tue ich manchmal Dinge,
die ich besser nicht hätte tun sollen, und das ist gut so. 

Titia Lenzhölzer-Maas, die auch die Kölner Regionalgruppe leitet, verspricht: „Das Gesprächsmodell, das wir heute Abend ausprobiert haben, werden wir künftig öfter nutzen, um unseren Austausch noch persönlicher und fruchtbarer zu machen.“

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