Frauen, Macht und Mode: Kleidung spricht!

Was sagt unsere Kleidung über unser Selbstverständnis? Können wir über unsere äußere Erscheinung zum Beispiel Macht zu demonstrieren?

Kleidung ist eine Sprache! Und jedes einzelne Teil ein Zeichen, das bestimmte Informationen enthält. Das gesamte Outfit als Summe dieser Zeichen hat eine komplexe Botschaft, erzählt eine Geschichte. Kleidung spricht über unseren Beruf, unseren sozialen Status, unser Einkommen, unseren Geschmack, unseren Lebensstil und unsere Werte. Und, und und … 

Hier einige Beispiele aus dem „Wörterbuch“ der Kleidung: 

  • Klassisches Kostüm oder Anzug mit weißer Bluse - arbeitet im Management bei einer Bank.
  • Künstlich verlängerte, bunt gemusterte Fingernägel - heißt vielleicht Chantal oder Vanessa, hat eher kein Abitur
  • Polo von Lacoste zu Armani-Jeans - will auf keinen Fall einen Fehler machen
  • No Name-Klamotten von der Caritas - ihr/ihm sind andere Dinge wichtiger als Kleidung
  • Nadelstreifen-Jackett zu Jogginghose - Hornhaut auf den Geschmacksnerven oder Fashionista im fortgeschrittenen Stadium 

Aber wer sagt denn, dass das jetzt auch stimmt? Gute Frage! Die Bewertung und Einordnung von äußeren Zeichen erledigt unser Unbewusstes, ganz still und innerhalb weniger Sekunden. Dabei gleicht es das aktuelle Bild mit bereits gemachten Erfahrungen ab. Sind also z. B. in seiner mentalen Datenbank ausreichend Bilder von Bankmanagerinnen hinterlegt, die klassische Kostüme tragen, wird dieses Outfit mit dem Beruf verknüpft. Aus der Sicht des „Erfahrungsrechners“ ist dieser Zusammenhang wahrscheinlich, auch wenn er im Einzelfall vielleicht gar nicht zutrifft. Diese Erkenntnisse stammen übrigens aus der sogenannten „Intuitionsforschung“.

Und was nützt dieses Wissen jetzt uns ambitionierten Frauen? Wir sollten souverän mit diesem Mechanismus spielen und uns aus dem Angebot an Kleidung das passende Vokabular für unsere individuelle Botschaft heraussuchen. So lässt sich zum Beispiel Stärke über die äußere Erscheinung ausdrücken:

1. Individuell und weiblich bleiben 

Eine Frau in dunklem Hosenanzug und weißer Bluse sieht aus wie ein Mann, dem was fehlt - nämlich die Krawatte. Frauen sind aber keine defizitären Männer, sondern anders, und das darf man auch sehen. Deshalb auch im Business mal knallige Farben tragen oder Kleider. Wenn doch Hosenanzug oder Kostüm, dann probieren Sie ungewöhnliche Schnitte und Stoffe oder tragen Sie dazu ein feminines Oberteile statt Hemdbluse.

2. Sich Aufwerten 

Früher inszenierten Herrscher ihre Macht durch voluminöse und kostbare Kleidung und ebenso kostbare Accessoires wie ein goldenes Zepter, ein Bischofsstab etc. Dieses Prinzip funktioniert auch heute noch. Sichtbar hochwertige und großzügig geschnittene Kleidung oder Statussymbole wie z. B. Designer-Handtaschen sind die neuen Zeichen der Macht. Wenn das Budget für Prada und Armani nicht reicht, nehmen Sie einfach etwas anderes, das groß und ein bisschen ungewöhnlich ist.

3. Regeln brechen 

Wer das Sagen hat, kann auch die Regeln ändern. Dass Sie das Sagen - oder zumindest ihren eigenen Kopf haben, zeigen Sie mit Dresscode-Brüchen. Kombinieren Sie zu der in Ihrem beruflichen Umfeld üblichen Business-Kleidung einzelne „störende“ Teile, z. B. Sneakers, ein T-Shirt mit Motiv, opulenten Schmuck oder eine Folklore-Tasche. Das sollten aber wirklich nur einzelne Elemente sein, sonst lautet die Gesamt-Aussage Ihres Outfits eher „Ich bin im Urlaub.“

Ein Tipp noch zum Schluss: Denken Sie daran, dass jedes einzelne Teil, das Sie für Ihre Botschaft einsetzen, auch stimmig zu Ihrem Typ sein sollte, damit das ganze Outfit überzeugt.

Über die Autorin:
Astrid Windfuhr ist selbstständige Kommunikations- und Stilberaterin. Die Spielregeln des Geschäftslebens kennt sie aus ihrer 15-jähriger Tätigkeit als Führungskraft im Marketing. Astrid Windfuhr berät Privatpersonen und Unternehmen in Kleiderfragen und bei der Gestaltung ihres individuellen Gesamt-Auftritts.
www.astridwindfuhr.de
www.windfuhr-kommunikation.de

Astrid Windfuhr

Kommunikationsberatung, Stilberatung, Seminare und Coaching

Kommentare
    • susanne Steuber 27. März 2017 09:01

      Guten Tag, ich teile Ihre Aussagen zum Kleidungsstil. Auf dem oben dargestellten Photo stimmt leider die Körpersprache nicht. Die Inszenierung der Macht sieht anders aus. Die Körpersprache der Damen ist die typisch weibliche der Unterordnung, außer bei der sportlich gekeideten, da passt leider die Kleidung nicht in die Businesswelt. Ich freue mich über eine Antwort. Susanne Steuber WenDo Trainerin und Coach beschäftigt sich mit dem Thema: Frauen und Macht, eine ambivalente Beziehung!

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    • Astrid Windfuhr 27. März 2017 11:14

      Ja, die Körpersprache spielt natürlich auch eine Rolle für machtvolles, souveränes Auftreten. Das ist allerdings ein ganz eigenes Thema. Das Foto soll übrigens einfach nur unterschiedliche Typen mit unterschiedlicher Wirkung zeigen.

      Antworten
    • Petra Zietemann 6. April 2017 11:20

      Danke für den kurzen, knackigen Blog. Mut zum kleinen "Stilbruch" ist für mich auch ein wichtiges Element der Persönlichkeit.

      Antworten
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