Frau, ärgere dich nicht!

Kann Ärger einen Sinn haben und irgendetwas Positives bewirken? "Ja!", meint Coach und B.F.B.M.-Bundesvorsitzende Carmen Reuter. Wofür wir unseren Ärger nutzen können, aber auch wie wir aus Ärger-Schleifen wieder herauskommen oder Ärger ganz vermeiden können, zeigte sie den Teilnehmerinnen bei ihrem "Anti-Ärger-Training" in Köln.

Ärger ist eine normale Reaktion unseres Gehirns. Ärger gehört zum Leben. Die Frage ist: Wie gehen wir mit der Ärger-Energie um? Frauen haben  oft gelernt, Ärger einfach zu schlucken. Das andere Extrem an Reaktion ist ein Tobsuchtsanfall. „Beides ist gleichermaßen ungesund“, sagt Carmen Reuter (Foto oben), die auch ausgebildete Heilpraktikerin ist. „Wut ist eine sich selbst ernährende Emotion. Wer Wut auslebt, vergrößert sie.“ Es ist besser, den Ärger wahrzunehmen, zu akzeptieren und sich selbst zu fragen: Was genau ärgert mich? Was möchte ich verändern?. Auf diese Weise kann Ärger helfen, eine klare Haltung einzunehmen und anderen Menschen Grenzen zu setzen.

Rote Knöpfe abbauen

Es lohnt sich aber dennoch, die eigene Ärger-Quote zu reduzieren.

„Ganz ehrlich: Ich habe das Anti-Ärger-Training entwickelt, weil ich mich früher unheimlich viel geärgert habe und ich gemerkt habe, dass mir das nicht guttut“, erklärt Carmen Reuter gleich zu Beginn des Abends beim B.F.B.M. in Köln. „Mein Ziel war es, meine roten Knöpfe abzubauen, damit die niemand mehr drücken kann.“

Wie entsteht Ärger? Carmen Reuter: „Oft geht es um persönliche Werte, die andere Menschen scheinbar oder tatsächlich missachten.“ Eine Erste-Hilfe-Maßnahme ist hier, sich bewusst zu machen, dass es sich bei unseren Werten um eine individuelle Bewertung handelt, die jeder für sich anders vornimmt. Beispiel Pünktlichkeit: In Deutschland gilt sie als wichtige Tugend, in Afrika oder im Orient spielt sie keine Rolle. Wenn man in einem dieser Länder also auf jemanden warten muss, ist das keine Respektlosigkeit, sondern ein anderer Umgang mit diesem Wert.

Entscheidend ist die Interpretation

Ebenfalls ein häufiger Anlass für Ärger ist Kritik, die wir als ungerecht empfinden. Das ist allerdings eine Frage der Interpretation: Höre ich aus einer Äußerung Kritik an meiner Person heraus, die mich dann auf die Palme bringt? Jede Äußerung in der Kommunikation hat jedoch mehrere Seiten und bietet mehrere mögliche Interpretationen. Carmen Reuter rät: „Wenn ich mich zum Beispiel darauf konzentriere, was mein Gesprächspartner mit seiner Aussage über sich selbst offenbart, bin ich außen vor und muss gar nicht erst auf die Palme klettern.“

Bewegung hilft

Gegen Ärger wappnen können wir uns auch mit ganz einfachen Körperübungen: Die Kölner B.F.B.M.-Frauen und ihre Gäste probierten gemeinsam aus, welche Haltungen oder Bewegungen sie in einen guten oder schlechten Zustand versetzen. Körperliche Signale wirken auf die Psyche. Zum Schluss verriet Carmen Reuter noch einen ultimativen Anti-Ärger-Tipp: „Probieren Sie mal folgendes: Klemmen Sie sich einfach einen Bleistift quer zwischen die Zähne. Dabei werden die Gesichtsmuskeln auf eine Weise aktiviert, die das Gehirn als Lächeln wahrnimmt. Gleichzeitig ärgern funktioniert dann nicht!“

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