Fast alle Menschen haben alle Farben

„Wir alle zeigen der Außenwelt einen bestimmten Kommunikationstyp“, so die Kommunikationstrainerin der Vorstandsetagen und der Politprominenz, Ariane Willikonsky, in ihrem Workshop „Wie Frauen stark kommunizieren“. Nach einem bestimmten Schema wird den Talkers eine Farbe zugeordnet, was uns helfen soll, das Gegenüber besser einzuschätzen. „Dem sachlichen Blauen sollten wir lieber nicht mit begeistertem Gelb begegnen, denn das führt zu Problemen in der Kommunikation“, so das Fazit. Letztlich schlummert zwar in allen Menschen jede Facette des Kommunizierens, aber sie zeigen in beruflichen Gesprächssituationen meist nur eine. Und mit dieser müssen wir als Gegenüber klarkommen.

Was also tun, wenn wir auf den kritischen Nörgler oder den dominanten Familienpascha treffen. Nicht von ungefähr haben Frauen die häufigsten Kommunikationsprobleme mit männlichen Gegenübern, wie die Fragerunde zu Beginn des Workshops zeigte. „Dann müssen wir einen gut gepackten Koffer an Möglichkeiten dabei haben“, so Ariane Willikonsky. Mit dem Bild des Koffers visualisierte sie die verschiedenen Tools, die Frauen brauchen, um die kommunikativen Herausforderungen im beruflichen Alltag zu meistern. Unabhängig von dem, was wir sagen, spielen Körperhaltung, Präsenz, Gestik und Mimik, und unser sprachlicher Ausdruck eine ganz entscheidende Rolle, wenn wir gehört werden wollen. Wichtig ist außerdem die Sprechweise, das Tempo und natürlich die Aussagen. Diese ganzen Techniken sollen unser Sprechverhalten nicht völlig umkrempeln, denn wir wollen ja echt und authentisch bleiben, aber sie können uns helfen, in schwierigen Gesprächen unsere Ziele zu erreichen.

Bei der Körperhaltung ist es wichtig, in kritischen Situationen einen stabilen Stand einzunehmen. Das heißt auf beiden Beinen zu stehen, eine gewisse innere Anspannung, aber mit lockeren Knien ist nötig. Mit geradem Oberkörper den anderen die Stirn bieten, aber nicht das Kinn. „Wenn wir so stehen, sind wir nicht nur körperlich stabil, sondern wir fühlen es auch innerlich“, so die Referentin. Ergänzt wird die Körperhaltung durch eine sinnliche Präsenz, das meint eine Wachheit der Sinne. Diese ist mit einer gewissen inneren Anspannung verbunden, die den Fokus aber nach außen richtet. Präsenz zeigt sich körperlich und mental, alle Sinne sind aktiv und handlungsbereit. Das zeigt mir:  Ich habe die Kontrolle über die Situation. Das Ergebnis ist eine kraftvollere Stimme.

Auch die Gestik ist ein wichtiger Einflussfaktor in unserer Kommunikation. Hier warnt Ariane Willikonsky vor erlernten Gesten, wie sie bei Menschen in der Politik oder im Showgeschäft zu sehen sind: „das wirkt meist gekünstelt“. Man sollte lieber seine eigenen natürlichen Gesten gezielt einsetzen und zu einem eigenen Repertoire ausbauen. Und wichtig ist es, große Gesten zu üben, damit machen wir uns größer und stärker, und sie stützen das Zwerchfell, das für die Kraft unserer Stimme zuständig ist. Kleine Gesten wirken klein und machen uns klein.

Ein ganz wichtiger Teil der Kommunikation ist natürlich unsere Stimme. Eine tiefe Stimme wirkt sachlich. wohingegen eine hohe oder piepsige Stimme auf viel Emotionalität schließen lässt. Gerade in der Kommunikation mit Männern ist die tiefe Stimme wichtig, um ernst genommen zu werden, betont die Referentin. Mit einer tiefen Stimme sprechen wir auch entspannter, das heißt man kann auch länger sprechen. Allerdings wirkt eine tiefe Stimme allein oft langweilig, deshalb sollten wir mit verschiedenen Tonhöhen spielen.

Besonders amüsiert hat die Teilnehmerinnen die Daumenregel. Das ist eine Übung um deutlicher und lauter zu sprechen. Dabei muss der Daumen zwischen Ober- und Unterkiefer und dann ein Satz gesagt oder einfach nur Laute gemacht werden. „Vor allem beim A sollte der Daumen zwischen die Zähne passen“, so Ariane Willikonsky, „dann sprechen wir automatisch klarer und deutlicher“.

Und was sagen wir? Kurze prägnante Sätze sollten wir parat haben, wenn wir etwas erreichen wollen, so der Tipp. Drei oder vier Statements vorher einüben, damit wir sie abrufen können oder auch bei einem Vortrag immer wieder einflechten können, bevor wir mit längeren Ausführungen beginnen. Das zeigt dem Gegenüber, wir wissen, was wir wollen und wovon wir reden. Eine kleine Pause danach, verleiht der Aussage mehr Gewicht. Und so lassen sich auch die lästigen Ähs vermeiden.

„Das sind alles ganz tolle und praxisnahe Tipps, die ich bestimmt für meine Vorträge einsetzen kann, wenn mal wieder ein Nörgler dazwischenfunkt“, so das Fazit von Ursula I. Meyer, Moderatorin des Abends und Mitglied im B.F.B.M.-Bundesvorstand.

https://www.youtube.com/watch?v=9kq7SWOI1Fk