Eigenlob macht erfolgreich

Der Online-Workshop begann mit einem großartigen Lob an alle: "Das sind ja unglaublich tolle Frauen hier!", rief die Referentin Christine Carus voller Begeisterung. Wirklich geschmeichelt fühlte sich dennoch keine der Teilnehmerinnen. Warum nicht? Wann wirken Lob und Komplimente denn nachhaltig? Und wie können wir uns möglichst viel davon verschaffen? Um diese Fragen ging es bei der virtuellen Veranstaltung "Eigenlob stimmt!" des B.F.B.M. in Köln.

Christine CarusTrainerin und Coach Christine Carus (Foto links) hatte in ihrem Experiment zum Auftakt das Lob ausgesprochen, bevor sie die anwesenden Frauen überhaupt kennengelernt hatte. Deshalb hat es nicht überzeugt, sie konnte ja noch gar nicht wissen, was an den Teilnehmerinnen toll sein könnte. Die Erkenntnis daraus: Ein Lob sollte einen nachvollziehbaren, glaubwürdigen Inhalt haben, damit sich andere Menschen wirklich darüber freuen.

Positive „Gedankenhygiene“

Weiter ging’s zum nächsten Experiment. Ein schlichter Satz: „Die Sonne scheint, der Himmel lacht, die Blumen blühen, und das Gras ist grühn.“ Was fällt als erstes daran auf? Natürlich, der Rechtschreibfehler! Warum bewerten wir nicht so: 13 Wörter tadellos korrekt buchstabiert? „Weil wir darauf gedrillt sind, den Fehler zu finden!“, erklärt Christine Carus. BeispielSie lädt dazu ein, stattdessen einmal bewusst den Blick auf alles zu lenken, was gelingt. „Es gibt zig Millionen Sachen, die ich nicht kann. Warum sollte ich da immer hinschauen?“, meint sie. „Dann werde ich mich immer schlecht fühlen. Aus Gedanken werden Gefühle, aus den Gefühlen werden Handlungen, und Handlungen werden zu Resultaten.“ Ein schlechtes Gefühl resultiert aus negativen Gedanken, daraus entstehen negative Handlungen, die zu negativen Resultaten führen, die wiederum schlechte Gefühle erzeugen. Aber welche Handlungen werden nun zu Erfolgen? Meistens die, die aus einem guten Gefühl entstanden sind. Und diesen Prozess können wir selbst beeinflussen. Christine Carus nennt das „Gedankenhygiene“ (unter diesem Titel hat sie auch ein Buch veröffentlicht). Ihr Ratschlag: „Alles im Außen abtanken, was es an Komplimenten und Lob zu holen gibt!“

Zum Beispiel, wenn der Chef ein Lob ausspricht, auf das ein „Aber“ mit einer Kritik folgt, sollten wir uns auf den ersten Teil des Feedbacks fokussieren. Christine Carus: „Macht euch den Lob-Anteil größer, indem ihr nachfragt!“ Was genau war gut? Warum? Wofür war es gut? Dadurch nehmen wir selber unsere Kompetenzen stärker wahr und der Erfolg wird auch in der Wahrnehmung des Chefs deutlicher und nachhaltiger, als wenn frau zerknirscht den kritischen zweiten Teil vertieft. 

Fokussierung auf das, was gelingt

Eine wunderbare Quelle guter Gefühle ist auch Eigenlob. Das Tolle daran: Diese Quelle kann jederzeit aktiviert und genutzt werden. Wie das geht? Zum Beispiel, indem wir uns jeden Abend fragen: Was habe ich heute gut gemacht? „Auch kleine Erfolge, wie pünktlich beim Kunden anzukommen oder gut vorbereitet zu sein, müssen dabei unbedingt mitgezählt werden, denn sie sind keineswegs selbstverständlich“, fordert Christine Carus. Am Ende des virtuellen Workshops war die Stimmung der Teilnehmerinnen im Vergleich zum Anfang deutlich gestiegen. In folgendem Eigenlob waren sie sich deshalb einig: Gut, dass wir uns aufgerafft haben, an diesem Workshop teilzunehmen!

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