Damit unsere Entscheidung gilt!

Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Testament - Diese drei wichtigen Themen haben viele von uns noch nicht wirklich geregelt, geschweige denn, dass eine regelmässige Überprüfung stattfindet. Um eine sinnvolle Vorsorge zu treffen, müssen wir nicht alt sein. Aber wenn wir sie getroffen haben, können wir auf jeden Fall entspannter und freier alt werden!

Für den Fall von Krankheit oder Pflegebedürftigkeit gut vorbereitet zu sein, gibt uns innere Sicherheit: So bestimmen wir auch dann noch selbst, was mit uns geschieht, wenn wir uns dazu nicht mehr aktiv äußern können. Auch die Familie hat es leichter, sie weiß, was zu tun ist und kann gegenüber Ärzten bestimmter auftreten. Hier finden Sie alle wichtigen Informationen darüber, wie entsprechende Dokumente erstellt und wo sie hinterlegt werden.

Patientenverfügung

Die Patientenverfügung (PV) ist eine Vorausverfügung über die medizinische Behandlung, falls man nicht mehr selbst entscheiden kann. Sie sollte mit dem Hausarzt besprochen, weiterentwickelt und immer wieder überprüft und den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Die Patientenverfügung kann formlos wie ein Brief aufgesetzt werden. Wichtig ist jedoch, dass jede Kopie eine Original-Unterschrift der Verfasserin trägt. Im Idealfall ist sie vom Hausarzt mit unterschrieben und auch bei ihm hinterlegt. Außerdem sollte die PV bei den nächsten Angehörigen hinterlegt sein.

Was den Inhalt betrifft, so empfehle ich, nicht kategorisch bestimmte Maßnahmen, wie zum Beispiel künstliche Ernährung, abzulehnen. Besser ist es, allgemeinere Richtlinien vorzugeben, etwa, dass ein Sterbeprozess nicht aufgehalten oder verlängert, dass krankheitsbedingte Leiden jedoch minimiert werden sollen.

Eine gute Hilfe zum Erstellen einer Patientenverfügung bietet die Vorsorgemappe der Internationalen Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand (IGSL www.igsl.de). Darin enthalten ist eine Mustererklärung mit Textbausteinen zum Ankreuzen. Außerdem finden Sie darin eine Notfallkarte, in der Sie eintragen können, bei wem Ihre Patientenverfügung hinterlegt ist. Diese kleine Karte können Sie in Ihrer Brieftasche immer bei sich tragen. 

Mein Tipp: Nehmen Sie bei einer anstehenden Operationen Ihre  PV in die Klinik mit und legen Sie sie dort vor.

Der Widerruf bzw. die Abänderung einer Patientenverfügung ist übrigens jederzeit möglich. Dies kann formlos gemacht werden.

Vorsorgevollmacht

Durch eine Patientenverfügung ist aber noch nicht festgelegt, wer Sie vertreten soll. Sie können dort zwar eine Person Ihres Vertrauens benennen, aber um Ihre Interessen wirksam zu vertreten, sollte die Abfassung einer PV immer mit der Ausstellung einer Vorsorgevollmacht verbunden sein. Es ist nämlich nicht so, dass automatisch der Ehemann, der Lebenspartner oder die Kinder Ihre Interessen vertreten dürfen. Das Betreuungsgericht wird einen Betreuer einsetzen, wenn Sie nicht mehr in der Lage sind, Ihre Angelegenheiten in Gänze oder teilweise zu regeln. Wer das sein soll, darauf können Sie Einfluss nehmen und das sollten Sie auch tun!

Die Vorsorgevollmacht ist zweigeteilt in rechtliche Fragen (Z.B.: Wer darf die Post öffnen, einen Mietvertrag kündigen etc.) und persönliche Fragen (z.B. zum Aufenthaltsbestimmungsrecht oder dem Begräbnis). Für beide Bereiche kann man, wenn man möchte, unterschiedliche Personen benennen. Die richtigen Personen für diese Aufgaben zu finden, erfordert auch bei uns selbst eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema und den eigenen Erwartungen. 

Die Betreuungs- oder Vorsorgevollmacht muss nicht notariell beglaubigt sein. Wie bei der Patientenverfügung auch, muss die Unterschrift aber im Beisein eines Zeugen,  z.B. des Hausarztes erfolgen. Kontovollmachten müssen gesondert mit der Bank geregelt werden.

Testament

Ist das Testament in Gänze handschriftlich verfasst, ist es auch ohne notarielle Beurkundung gültig. Bei komplizierteren Familienverhältnissen, z. B. wenn Sie mehrere Kinder aus verschiedenen Ehen haben, ist auch eine juristische Beratung sinnvoll. Und dann gibt es noch  "Überlegungen zum Lebensende". Mit ihnen kann man den Hinterbliebenen z.B. Wünsche zum Lebensende und Begräbnis mitteilen.

Zum Schluss noch ein pragmatischer Tipp: Bewahren Sie alle wichtigen Dokumente wie z. B. Listen mit regelmäßigen Zahlungen, Abonnements oder auch eine Adressliste derjenigen, die im Todesfall benachrichtigt werden sollen, in einer SOS-Box oder einem SOS-Ordner auf. Das hilft Betreuern oder Angehörigen, schnell in Ihrem Sinne zu handeln.

 

Über die Autorin
Swaantje Cramer ist Inhaberin von „aufgeräumt“, als Beraterin unterstützt sie ihre Kunden dabei, geschäftliche und private Dokumente zu strukturieren und zu verwalten. Und sie kennt aus persönlicher und beruflicher Erfahrung die Notwendigkeit für eine gute Vorsorge - im eigenen Interesse und dem der Angehörigen.

 

 

Swaantje Cramer

Ordnung - Struktur - Freiräume - www.aufgeraeumt.info

Kommentare
    • Isabel Hutter-Vortisch 6. Dezember 2016 08:31

      Sehr geehrte Damen, seit vielen Jahren (1999) beschäftige ich mich ausschließlich mit den in diesem Artikel beschriebenen Themen, vieles davon kann ich bestätigen, einiges bedarf aber auch der Klarstellung. Gern stelle ich Ihnen entsprechende Artikel zur Veröffentlichung in Ihrem Newsletter zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen Isabel Hutter-Vortisch

      Antworten
    • Swaantje Cramer 6. Dezember 2016 17:56

      Guten Tag Frau Hutter-Vortisch, Klarheit ist immer gut. Insofern danke ich Ihnen für Ihr freundliches Angebot. Praktischerweise gibt es über die Antworten-Funktion die Möglichkeit, ganz nah am Text und damit im Zusammenhang zu kommentieren. Ich freue mich, wenn Sie dies nutzen. Beste Grüße Swaantje Cramer

      Antworten
      • Petra Zietemann 14. Dezember 2016 15:42

        Frau Hutter-Vortisch. wir freuen uns über Ihr Interesse an dem Blog und Ihre Bereitschaft Informationsmaterial für unseren Newsletter zur Verfügung zu stellen. Gerne können Sie hier auch die Links auf die Artikel zur Verfügung stellen.

        Antworten
      • Helga Wagner 9. April 2017 09:50

        ... danke für den informativen Artikel mit wichtigen Inhalten zu Themen, die man gerne vor sich herschiebt oder am liebsten gar nicht "bearbeitet". Ergänzend ein kurzer Hinweis: auch wenn eine Immobilie zu vererben ist, genügt ein handschriftliches Testament. Eine notarielle Beglaubigung des Testaments kann sinnvoll sein, ist aber nicht notwendig, wobei sich eine fachkundige Beratung natürlich immer empfiehlt. Vielleicht ließe sich dies im Artikel beim Thema Testament korrigieren. Danke!

        Antworten
      • Swaantje Cramer 13. Juni 2017 17:50

        Sehr geehrte Frau Wagner, vielen Dank für den Hinweis. Inzwischen habe ich noch mal mit einer Rechtsanwältin gesprochen und es ist so, wie Sie sagen: Immobilienbesitz erzwingt kein notariell beglaubigtes Testament. Dass es sich empfiehlt, ist ein anderer Sachverhalt. Der Text ist inzwischen korrigiert. Danke noch mal und freundliche Grüße. Swaantje Cramer

        Antworten
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