Carmen Reuter: Frauenrechte in Gefahr!

Liebe Mitgliedsfrauen, liebe Interessentinnen, unser Recht, uns als Frauen persönlich und beruflich frei zu entfalten, wird gerade von verschiedenen Seiten angegriffen: Es fängt damit an, dass sich viele Frauen abends und nachts auf der Straße nicht mehr sicher fühlen. Das bedeutet nicht nur eine Einschränkung im Privatleben, sondern hat mitunter auch handfeste berufliche Nachteile ...

Jobs, bei denen Abend- oder Nachtschichten anfallen, erfordern auf einmal einen hohen logistischen Aufwand: Es muss jedes Mal geklärt werden „Wer kann mich abholen?“ oder es fallen teure Taxifahrten an. Dieses Problem betrifft nicht nur die Ängstlichen. Eine toughe Anwältin, die bei uns im B.F.B.M. Mitglied ist, meidet inzwischen bestimmte Straßen im beschaulichen Karlsruhe, obwohl sie lange angstfrei im Frankfurter Bahnhofsviertel gelebt hat.

Gewalt und sexuelle Belästigung sind aber nur ein Aspekt der neuen Frauenfeindlichkeit. Am anderen Ende der Gesellschaft will uns die AfD „sicher“ an den heimischen Herd zurückbringen. als ersten Schritt dazu hat die Alt-Herren-Fraktion dieser Partei durch ihren Einzug ins Parlament die Frauenquote im Bundestag schon mal radikal abgesenkt.

Freie Entscheidungen und freie Entfaltung stehen uns zu!

In Frankfurt haben sich so genannte „Mahnwachen“ vor der Beratungsstelle von pro familia etabliert. Vertreter von christlich-fundamentalistischen Gruppen wollen damit Abtreibungen verhindern. Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle sollen durch den Spießrutenlauf auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz „bekehrt“ werden. Ähnliche Aktionen in anderen Städten sind geplant. Leben wir noch in einem demokratischen Land mit einem verbrieften Recht, über Mutterschaft und Abtreibung frei zu entscheiden oder sind wir auf dem Weg zurück ins Mittelalter? Offenbar müssen wir uns erneut stark machen für längst verbriefte Rechte …

Auch das schwierige Thema der Gendergerechtigkeit hat gerade eine Niederlage erfahren: Der Bundesgerichtshof hat jetzt entschieden, dass eine Kundin sich auch dann angesprochen fühlen müsse, wenn sie als „Kunde“ bezeichnet wird. Die männliche Form sei ein „generisches Maskulinum“ und meint nach Ansicht der Richter die weibliche mit. Sprache erzeugt jedoch Bilder in den Köpfen - und da benachteiligt das generische Maskulinum Frauen.

Mitmachen und Diskutieren!

Liebe Frauen, es ist wichtiger denn je, dass wir zusammenstehen und uns in Netzwerken wie dem B.F.B.M. gegenseitig stärken! Was können wir als berufstätige Frauen konkret tun, um im gesellschaftlichen Bewusstsein mehr Anerkennung für Frauenrechte zu erreichen? Das möchten wir gern mit euch und Ihnen diskutieren. Postet/posten Sie eure/Ihre Meinung und Ideen! Dazu ist die Kommentarfunktion unter diesem Artikel da. Wir freuen uns über eure/Ihre Beiträge!

Feministische Grüße
Carmen Reuter, B.F.B.M.-Bundesvorsitzende

Carmen Reuter

Coach.Speaker.Trainerin

Kommentare
    • Christine de Bailly 4. April 2018 20:57

      Wir steuern geradewegs auf das neue Mittelalter zu. Noch immer verdienen Frauen weniger als Männer am gleichen Arbeitsplatz. Das ist viel schlimmer als die fehlende Endung -In oder -innen, weil hier auch die Rente schmaler ausfällt. Die Genderfrage treibt auch langsam peinliche Blüten und ich schäme mich zuweilen für Frauen, die sich in Formalien verirren als gäbe es nicht echte Probleme. (Ich denke da an die Anfrage, ob es noch Vaterland heißen dürfe ..) Arbeitszeitgestaltung, Nutzung neuer Modelle für die ganze Familie wäre ein Thema. Gleichberechtigt denken, an Mann und Frau - das ist der richtige Weg. Statt Vatertag und Muttertag - Elterntag - z.B. Allen einen guten Start in den Frühling Christine de Bailly

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      • Carmen Reuter 5. April 2018 16:26

        Liebe Frau Bailly, ja leider, die Armut im Alter ist und bleibt wohl noch eine Weile weiblich. Und dass das Thema Familie immer noch in unser Zuständigkeitsfeld gerollt wird mit allen bekannten Folgen... Es gibt noch viel zu tun und das bedeutet auch Stellung beziehen für uns alle: Wehret dem Mittelalter! Feministische Grüße Carmen Reuter

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      • Corinna Weczerek 16. Juli 2018 10:24

        Eine gerechtere Verteilung der Teilhabe an Erwebsarbeit und Familienarbeit (für Frauen und ! Männer !) wird leider seit Jahrzehnten gesellschaftspolitisch verhindert. Das traditionelle Modell des Alleinernährers wird durch verkrustete Arbeitszeitmodelle, fehlende Kinderganztagsbetreuung und benachteiligende Steuermodelle verstärkt. Es ist wie mit einem vollen Bus: wenn jeder Platz zu 100% besetzt ist, dann kann natürlich niemand mehr zusteigen und seinen Platz finden. Neu gedacht: wenn jeder Platz zu 2/3 besetzt wäre, dann würden sehr viele neue 2/3 Plätze entstehen. Übertragen auf unser Thema würde dies bedeuten: ein deutlicher Anstieg von qualifizierter Teilzeit auch mit Führungsfunktion (ja, das geht), ermöglicht sehr viel mehr Frauen die Chance auf eine ebenso qualifizierte Teilzeittätigkeit. Nur sehr vorsichtig äußern Männer ihren Wunsch, an Familienarbeit teilhaben zu wollen. Viele Männer lassen sich von den tradierten Strukturen abschrecken. So paradox es klingt: wenn Frauen qualfiziert an beruflichem Leben teilhaben wollen, müssten zuerst Männer in ihrem Wunsch bestärkt werden, am Familienleben teilhaben zu wollen und ! geeignete Modelle dazu etabliert sein, die ihnen dies ermöglichen (qualifizierte Teilzeit und Kinderganztagesbetreuung). So wäre nicht nur beiden Geschlechtern geholfen sondern sogar der ganzen Gesellschaft.

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